Willkommen beim NABU Ober-Mörlen


Aktuelles


Unsere Termine und die der benachbarten NABU-Gruppen finden Sie hier


Berichte und Bilder

Düngen mit Schafwolle (7.5.2022)

Gibt man im Internet die Stichworte Schafwolle und Düngen ein, bekommt man den Eindruck, dass diese Methode der organischen Düngung schwer im Trend liegt. Ein Grund dafür: Die Schafhalter bekommen heutzutage für ihre Rohwolle nur noch Cent-Beträge gezahlt, so dass der Lohn für das Scheren höher ausfällt als der Ertrag für die Wolle. Zudem hat Schafwolle als Dünger sehr gute Eigenschaften. Der Nährstoffgehalt bezüglich Stickstoff und Kalium entspricht ziemlich genau dem von Hornspänen (N 10–12%, K 5–6%). Ferner sind Schwefel, Magnesium und Phosphat enthalten.

Die Wolle zersetzt sich langsam und gibt nach und nach ihre Nährstoffe frei (Langzeitdünger). Die Düngung reicht also für die gesamte Wuchsperiode. Vorteilhaft ist außerdem, dass Schafwolle das 3,5-Fache ihres Eigengewichts an Wasser speichern kann und in Trockenperioden wieder abgibt. Zudem sorgt sie für eine lockere Bodenstruktur. Im Garten gibt es viele Anwendungsmöglichkeiten, zum Beispiel bei Tomaten und Kartoffeln. Aber auch junge Obstbäume sind dankbar für eine solche Düngergabe, weshalb die NABU-Gruppe dies bei ihren Jungbäumen in diesem Jahr ausprobiert. Über unsere Erfahrungen werden wir zu gegebener Zeit berichten.

Voraussetzung ist das Vorhandensein einer Baumscheibe. Diese wird frisch gehackt und ein Teil der Erde in einen Eimer gefüllt. Dann wird die Wolle (ungefähr 150 g) auf der Baumscheibe verteilt und mit der Erde aus dem Eimer bedeckt. So kann die Wolle weder wegfliegen noch von Vögeln für den Nestbau stibitzt werden.

Mittlerweile gibt es Schafwolle sogar als Düngepellets zu kaufen. Am regionalsten ist natürlich eine Anfrage bei örtlichen Schafhaltern, ob man Rohwolle für kleines Geld bekommen kann. Wir danken der Schäferei Weißelberg für die Unterstützung unseres Pilotversuchs.

Führung Landschaftswandel im NSG Magertriften (10.4.2022)

Über 30 Interessierte fanden sich zur NABU-Führung unter dem Titel „Landschaftswandel im Naturschutzgebiet Magertriften“ ein. Ausgehend von einem Luftbild aus dem Jahr 1953 hat Melanie Hahn die Veränderungen der Landschaftsstruktur untersucht. Die Luftaufnahme wurde zu diesem Zweck in digitale Karten umgewandelt und die einzelnen Flurstücke als Acker, Grünland, Streuobst, Gehölze, Wege etc. klassifiziert. Im Vergleich mit einer heutigen Aufnahme ließen sich die Veränderungen feststellen.

Beim ersten Halt am "Gelben Berg" wurde anhand eines Fotos aus den 1950er Jahren deutlich, wie sich die Landschaft gewandelt hat. Das Bild zeigt einen offenen Weinstraßengraben, viel mehr Obstbäume und kaum Hecken. Robert Scheibel wies an dieser Stelle darauf hin, dass es neben der landwirtschaftlichen Nutzung einstmals auch Abbaustätten für Sand, Lehm, Ton und Kies inklusive einer Ziegelei gab. Wiederum mit historischen Fotos von Familie Preiß konnte illustriert werden, dass früher unter den Obstbäumen nicht immer Gras wuchs, sondern auch Getreide, Kartoffeln oder – wie in diesem Fall – Erdbeeren.

Die Zunahme der Gehölzflächen war auf den mitgeführten Luftbildern und Karten am leichtesten zu erkennen. Teilweise wurde Wald angepflanzt, vor allen Dingen führte aber die Nutzungsaufgabe von Grünland zur Verbuschung. Ebenso auffällig ist die Zunahme der Parzellengrößen und damit die viel kleinere Zahl an Einzelflächen. Auf der Abbildung eines Geländereliefs ließen sich sogar noch zahlreiche Ackerfurchen in den heutigen Wiesen erkennen.

Die Obstwiesen, die im 17. Jahrhundert an die Stelle von Weinbergen traten (daher "Wingerte"), hatten vermutlich in den 1950er Jahren ihre größte Ausdehnung, da nach dem 2. Weltkrieg sehr viele Bäume gepflanzt wurden. Danach ging es wieder abwärts – die Streuobstbestände haben um zwei Drittel abgenommen.

Bei der Vorstellung der Untersuchungsergebnisse erläuterte Melanie Hahn, wie sich die Änderung der Flächengrößen und die Abnahme von Randlinien auf die vorkommenden Tier- und Pflanzenarten auswirken. Weniger Ackerränder sind eindeutig ungünstig. Bei Grünland, Streuobstwiesen und Gehölzen herrscht aktuell im NSG ein guter Kompromiss zwischen vorteilhaftem Strukturreichtum und nachteiligen Trennungseffekten.

Abschließend kamen noch Themen wie die notwendigen Pflegearbeiten und die Eigentumsverhältnisse zur Sprache. Da es sich um eine Kulturlandschaft handelt, hängt es an uns Menschen, ob die Artenvielfalt und das abwechslungsreiche Landschaftsbild erhalten bleiben oder nicht. Mit diesem Fazit bedankte sich der NABU Ober-Mörlen für die Aufmerksamkeit der Teilnehmerinnen und Teilnehmern – und ebenso für eine gut gefüllte Spendendose.

Baumscheibenpflege ist wichtig (26.3.2022)

Junge Obstbäume müssen nicht nur regelmäßig geschnitten werden, auch die Baumscheibenpflege ist entscheidend für das Gedeihen der Setzlinge. Die Fläche unter dem Baum, wo der Grassoden entfernt wurde, muss durch Hacken mindestens fünf Jahre lang offengehalten werden. Dies verhindert, dass Gräser und Wildkräuter den jungen Bäumen Wasser und Nährstoffe wegnehmen. Gerade in den letzten Trockenjahren hat sich gezeigt, dass die schlechte Versorgung der Bäume fehlendes Wachstum und Krankheiten wie Rindenbrand zur Folge hat.

Jetzt ist die richtige Zeit, zur Hacke zu greifen. Die Baumscheibe darf gerne 1,5 m Durchmesser haben. Das Wurzelwerk der Gräser zieht man an den Gießrand. Mit einer dünnen(!) Mulchschicht lässt sich der Boden vor Austrocknung schützen. Im Laufe des Jahres wiederholt man das Ganze so oft wie nötig. Regelmäßiges Hacken stört zudem die Aktivitäten von Wühlmäusen. Wenn eine Baumscheibe vorhanden ist, kann man auch eine Frühjahrsdüngung durchführen. Geeignet sind organische Dünger wie Kompost, Hornspäne oder abgelagerter Pferdemist, die ihre Nährstoffe langsam an die Wurzeln abgeben. Völlig ungeeignet hingegen sind mineralische Dünger wie Blaukorn.

Neun Mitglieder waren zur Obstwiesenpflege auf der Vereinsfläche am Bottenberg aktiv. Die Baumscheiben waren rasch gehackt, die Stämme freigemacht und Stammaustriebe abgeschnitten. So blieb noch Zeit, um erneut ausgetriebene Misteln zu entfernen, einen Mirabellenbaum auszulichten und eine Neupflanzung zu wässern.

Hessische Lokalsorte 2022: Friedberger Bohnapfel (15.3.2022)

Seit 20 Jahren ernennt die hessische Landesgruppe des Pomologen-Vereins lokale oder regionale, selten gewordene Apfelsorten zur Hessischen Lokalsorte des Jahres. Nun ist es der "Friedberger Bohnapfel". Wahrscheinlich ist die Sorte in der Wetterau entstanden und um 1908 wurde sie für das Großherzogtum Hessen empfohlen. Heute ist die Sorte überregional verbreitet, in Süddeutschland vor allem unter dem fälschlichen Synonym Winterprinzenapfel. Es handelt sich um eine äußerst vitale und wüchsige Streuobstsorte, die schon früher als „Massenträger für Mostzwecke“ bezeichnet und empfohlen wurde. Die mittelgroßen bis großen Früchte mit guter Saftausbeute sind zwischen Anfang und Mitte Oktober erntereif. Bei einer Untersuchung konnte ein sehr hoher Polyphenolgehalt (um 2000 mg/kg) festgestellt werden. Solche sekundären Pflanzenstoffe gelten als gesundheitsfördernd und bleiben auch in Säften erhalten.

Bei der Sortenkartierung im Ober-Mörler Teil des Naturschutzgebiets Magertriften vor etwa zehn Jahren wurden immerhin 7 Altbäume entdeckt. Nachpflanzungen gab es seinerzeit gar keine. In Zusammenarbeit mit Baumschulen sorgt die Aktion des Pomologen-Vereins dafür, solche Sorten wieder bekannt zu machen und in die Landschaft zu bringen. Wie schon bei der Jahressorte 2015 (Anhalter) unterstützt der NABU Ober-Mörlen das Projekt 2022 ideell und finanziell. Auf seiner Obstwiese am Bottenberg hat der Verein einen Friedberger Bohnapfel nachgepflanzt, und dieser Tage nahmen sich drei Aktive einem sehr alten Exemplar im NSG an. Misteln und Totholz wurden entfernt, die jungen Triebe formiert und die Krone entlastet, um dem Baum weitere Lebensjahre zu schenken. Die benachbarten Obstbäume sind wegen des mageren Bodens recht kümmerlich – der Friedberger Bohnapfel hingegen hat sich dort behauptet.

Alle Informationen über den „Friedberger Bohnapfel“ und über „20 Jahre Aktion Hessische Lokalsorte des Jahres“ finden sich in einer Faltblatt-Broschüre, die nachstehend heruntergeladen werden kann. Zudem ist sie bei Robert Scheibel und Klaus Spieler in gedruckter Form erhältlich.

Download
Friedberger Bohnapfel 2022.pdf
Adobe Acrobat Dokument 1.4 MB

Müll sammeln in Eigenregie (8.3.2022)

Leider wurde von der Gemeinde Ober-Mörlen auch in diesem Winter die Aktion "Saubere Gemarkung" abgesagt. Umso erfreulicher ist es, wenn Bürgerinnen und Bürger auf eigene Faust tätig werden. Denn wer mit offenen Augen unterwegs ist, stößt überall auf Abfall, der zum einen achtlos, zum andern bewusst illegal in der Landschaft entsorgt wird. Die Beweggründe für solches Tun sind meistens nicht nachvollziehbar, denn oft handelt es sich um Dinge, die kostenlos entsorgt werden können. Besonders irre ist es, Hundekacke erst in einen Kotbeutel zu tun und dann samt Beutel in die nächste Hecke zu werfen.

Dieser Müll hat viele negative Auswirkungen: Er zersetzt sich, verschmutzt Böden und Wasser, kann Tiere verletzen oder vergiften. Insbesondere der Abbau von Kunststoffen zu Mikroplastik ist als große Gefahr erkannt worden – es gerät früher oder später in die Nahrungskette. Auch die Verschandelung der Natur und der geminderte Erholungswert sind genug Gründe, etwas gegen die "wilde Müllentsorgung" zu tun.

Die NABU-Gruppe dankt allen Ober-Mörlern, die sich nicht zu schade sind, anderer Leute Abfall aufzuheben und in den nächsten Mülleimer zu befördern. Stellvertretend seien hier Antje Allemann und Frank Jung genannt, von denen die Fotos stammen. A. Allemann ist regelmäßig an den Ortsrändern oder auch an Feldgehölzen aktiv. Der Schwerpunkt von F. Jung liegt im Naturschutzgebiet Magertriften, wo er bei seinen Touren stets einen "Müllrucksack" dabei hat. Und die vereinseigene Naturschutzjugend ist im Rahmen der Aktion Trashbusters immer wieder an Fauerbach oder Usa unterwegs.

Wer größere Müllablagerungen findet, sollte diese der Gemeindeverwaltung mitteilen – der Bauhof kümmert sich dann zeitnah um die Abfuhr und Entsorgung. Die Kosten dafür tragen leider nicht die Verursacher, sondern gehen zu Lasten der Allgemeinheit.

Obstbaumpflege auf der Parzelle 111 (29.1.2022)

An einem Samstag mit brauchbarem Wetter trafen sich zehn Mitglieder zu einem Einsatz auf der Parzelle 111 in den Wingerten. Seit über dreißig Jahren steckt der NABU Ober-Mörlen (seinerzeit Naturschutzgruppe) sehr viel Zeit und auch Geld in den Erhalt der großen Streuobstwiese, die im Gemeindebesitz ist. Die 80 nachgepflanzten Bäume werden regelmäßig geschnitten, aber auch viele der rund 100 Altbäume erhalten Auslichtungs- und Entlastungsschnitte. Zusätzlich zu den eigenen Schnitt-Aktivitäten wird in den letzten Jahren auch ein Baumpfleger beauftragt, soweit es die Kassenlage erlaubt. So wurden in diesem Winter erneut 1500 Euro in den Erhaltungsschnitt der 20- bis 30-jährigen Apfel- und Birnbäume investiert. Beim kürzlichen Termin galt es, das dabei entstandene Schnittgut aufzusammeln und für die Abfuhr auf Haufen zu setzen. Zudem wurden sechs Jungbäume geschnitten und an vier Altbäumen Wasserschosse und Misteln entfernt.

Neue Waldkauz-Kästen aus altem Holz (23.1.2022)

Ein gutes Beispiel für die Mehrfachnutzung von Holz liefert der NABU Ober-Mörlen mit dem Bau von drei Waldkauz-Nistkästen. Jahrelang lagerten alte Holzpaletten im Schuppen von Vereinsmitglied Hans-Josef Rauch und warteten dort auf ihre Verwendung als Brennholz. Bis er auf die Idee kam, die Paletten zu zerlegen und die so separierten Latten zusammenzuleimen. Auf diese Weise entstanden größere Platten, aus denen Seitenteile, Böden und Dächer für die Nistkästen gesägt und dann zusammengefügt wurden. Die Exemplare sind recht groß, allein das Einflugloch hat 13 cm Durchmesser. Mit Dachpappe und einem Holzschutzanstrich (nur außen) wurden die Kästen wetterfest gemacht und am letzten Wochenende von H.-J. Rauch, Frank Jung und Markus Kraiker im Ober-Mörler Wald aufgehängt.
 
Es war nicht leicht, die richtigen Plätze für die Kästen zu finden. Zu berücksichtigen war: Die drei Nistkästen sind mit mindestens einem Kilometer Abstand zueinander aufzuhängen. Im Revier des Waldkauzes (bis 100 ha groß) sollten neben Laub- und Nadelwald auch Freiflächen oder eine lockere Bewaldung vorkommen. Die Einflugöffnung des Nistkastens ist nach Osten auszurichten. Die Kästen dürfen nicht vollständig in der Sonne hängen. Und der An- und Abflug der Eulen darf nicht durch andere Bäume behindert werden. Damit die Käuze Nistkästen attraktiv finden, sind die Behausungen in 3 bis 4 Metern Höhe im Baum zu platzieren. Dieser Abstand vom Boden ist auch notwendig, um zu verhindern, dass Waldbesucher den Vögeln zu nahe kommen oder sich an den Kästen zu schaffen machen.
 
Zwei Aktive stiegen mit dem voluminösen Nistkasten die Leitern empor und befestigten ihn in der vorgesehenen Höhe an einem starken Draht, der vorab um den Baum gelegt worden war (siehe Foto). Eine Person am Boden sicherte die Aktiven auf den Leitern und reichte Werkzeug nach oben. Bei der Montage des dritten Kastens war schon eine Routine zu bemerken. Die richtigen Werkzeuge waren zur Hand und die Zusammenarbeit auf den Leitern klappte tadellos.
 
Mit dem Aufhängen ist es nicht getan. Alle zwei bis drei Jahre sind die Nistkästen zu säubern und mit Einstreu zu versorgen. Dazwischen werden wir aber einen schnellen Blick durch das große Einflugloch wagen, um etwas über die Belegung des Nistkastens zu erfahren. Bei einer solchen Gelegenheit konnten wir in einem schon früher aufgehängten Nistkasten das Foto eines jungen Kauzes machen.

Pflegeeinsatz im Vogelschutzgehölz auf der Hub (15.1.2022)

Das Vogelschutzgehölz auf der Hub war das erste Großprojekt, das die Naturschutzgruppe nach ihrer Gründung verwirklichte. In den Jahren 1979 bis 1982 wurden in mühsamer Arbeit tausende Sträucher und Bäume auf der über 5000 Quadratmeter großen, verfüllten Erdkippe nördlich des Maibergs gepflanzt. Seitdem finden Vögel, Insekten und Wildtiere dort Brutplätze, Nahrung und Deckung. Damit die Hecken nicht vergreisen und lichte Bereiche entstehen, werden Teilflächen immer wieder auf Stock gesetzt, d.h. die Büsche werden über dem Boden abgeschnitten und treiben neu aus. Kürzlich trafen sich sechs Aktive mit Schnittwerkzeugen aller Art, um etwa 250 Quadratmeter rund um Wasserstelle und Lesesteinhaufen freizuschneiden. Die dabei in den dornigen Sträuchern aufgefundenen alten Nester waren ein sichtbares Zeichen dafür, dass das Vogelschutzgehölz seinen Namen verdient.

 Mit den Berichten aus 2021 geht es hier weiter!