Nicht mehr aktuell, aber noch interessant

Vereinswanderung zwischen den Jahren (27.12.2016)

Naturschützer bevorzugen kurze Anfahrten zu touristischen Zielen und das lässt sich von Ober-Mörlen aus gut realisieren. Der Taunus liegt westlich vor der Tür, aber auch in Richtung Osten bieten sich besuchenswerte Landschaften an. In diesem Jahr war es die Gegend um Münzenberg und Rockenberg. Die 14-köpfige Wandergruppe startete am Morgen in Münzenberg am Steinberg, einem Magerrasenbiotop, auf dem in der warmen Jahreszeit  Heidenelken, Kreuzblümchen und Heidekräuter blühen. Sehenswert ist das Felsenmeer aus Sandsteinquadern, dazwischen mühlsteinähnliche Blöcke, deren historische Bedeutung bislang nicht ermittelt werden konnte, wie Wanderführer Matthias Möbs betonte. Die Gruppe durchquerte anschließend Münzenbergs Ortskern mit seinen vielen Fachwerkhäusern, hielt sich dann westlich und kam zum Münzenberger Galgen, der vollständig erhalten ist. Nur die Tatsache, dass die letzte Hinrichtung 275 Jahre zurückliegt, milderte das Erschaudern. Weiter ging es über den Münzenberger Rücken zur Hölle von Rockenberg. Dort bot sich den Ausflüglern ein Blick über die nördliche Wetterau und auf die Taunusausläufer Winterstein, Hausberg und Schrenzer.

 

Mittag wurde im Roten Haus in Rockenberg gemacht. Trotz voll besetzten Restaurants klappte es mit dem Bestellen und Servieren sehr gut, das Essen hat allen geschmeckt. Nach zwei Stunden ging es gestärkt auf den Rückweg. Entlang des Hammelshäuser Grabens wähnten sich die Wanderer auf direktem Weg zum Ausgangspunkt Münzenberg, aber die Türme des Tintenfasses wurden nicht größer, sondern rückten immer weiter nach links oder waren überhaupt nicht mehr zu sehen. Wanderführer Matthias Möbs gestand, wohl nicht den kürzesten, aber den landschaftlich reizvollsten Weg genommen zu haben. Trotzdem erreichte die Gruppe pünktlich nach insgesamt 14 km Wanderstrecke den Ausgangspunkt in Münzenberg.      

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Hochstämme auf dem Bottenberg gepflanzt (26.11.2016)

Ober-Mörlen liegt im Streuobstgürtel, der sich über den südlichen und östlichen Fuß des Taunus erstreckt. Die Gemeinden in dieser Region verfügten über ausgedehnte landschaftsprägende Streuobstregionen. In der Gemarkung Ober-Mörlen waren das vor allem die Lagen Kirschenberg, Schießhütte, Wingerte (Magertriften) und Bottenberg. Die beiden Erstgenannten sind inzwischen Wohngebiete – somit als Streuobstareale nicht mehr existent; die Magertriften genießen als Naturschutzgebiet staatliche Förderung – auch zum Erhalt der Streuobstwiesen.

 

Auf dem unteren Bottenberg steht inzwischen nur noch ein überalterter und lückenhafter Baumbestand. Es gibt zwar einige Nachpflanzungen, die aber die Ausfälle bei weitem nicht ausgleichen können. Der NABU Ober-Mörlen hat dort nach jahrelanger Ausschau kürzlich eine 3200 Quadratmeter große Streuobstwiese von einem Bad Nauheimer Ehepaar gekauft. Die Eigentümer fanden die Absichten des NABU Ober-Mörlen, dort Hochstämme zu pflanzen und den vorhandenen Baumbestand zu sanieren, für so sinnvoll, dass sie das Grundstück zu dem Preis dem NABU Ober-Mörlen übereigneten, den sie vor vielen Jahren selbst für den Kauf gezahlt hatten. Der NABU Ober-Mörlen will mit seiner Initiative den Bottenberg als Streuobstareal und Lebensraum für Pflanzen und Tiere erhalten. Gefördert werden soll auch der Erhalt alter standorttypischer Obstsorten durch Nachpflanzung. Den vielen Grundstückseigentümern am Bottenberg und den dort Grünland bewirtschaftenden Landwirten soll ein Beispiel und Ansporn gegeben werden, wieder ihre Bäume zu pflegen bzw. neue Bäume zu pflanzen und schließlich gilt es auch, das Landschaftsbild am Eingangstor zum Taunus zu erhalten.

 

Auf dem 180 m langen und 18 m breiten Grundstück stehen 11 Bäume unterschiedlichen Alters und Erhaltungszustands, die mit einem intensiven Erhaltungsschnitt wieder fit gemacht werden müssen; einige davon sind aber abgängig. Diese Exemplare werden nicht beseitigt, sie dienen als Lebensraum für Höhlenbrüter, Insekten und Nager. Die NABU-Aktiven Klaus Spieler und Hans-Josef Rauch hatten sich nach dem Kauf sofort daran gemacht, die Wiese mit den genauen Standorten der Bäume zu vermessen und die Pflanzstellen zu markieren. Es ist Platz für insgesamt 22 Neuanpflanzungen, wenn der Grenzabstand von 4 Metern und ein Abstand zwischen den Bäumen von 10 Metern eingehalten wird. Wegen des Arbeitsanfalls und der notwendigen Finanzmittel ist die Bepflanzung auf 2016 und 2017 hälftig verteilt.

 

Mitte November rückte der Bagger an und hob 11 Pflanzlöcher aus. Die Entscheidung, das nicht per Hand mit dem Spaten zu machen, war richtig, weil das Volumen der Löcher mit 80 cm x 80 cm und einer Tiefe von 65 cm reichlich bemessen und auch nicht absehbar war, ob nur Löß oder auch steiniger Untergrund zum Vorschein kommen würden. 

 

Am Samstag vorvergangener Woche wurden die 11 Hochstämme gepflanzt. Neben den NABU-Aktiven nahmen noch drei in Ober-Mörlen untergebrachte Flüchtlinge teil, die auch schon bei der Apfelernte im Naturschutzgebiet Magertriften unterstützt hatten. Beschafft wurden die Jungbäume über die vom NABU Ober-Mörlen seit bald 30 Jahren organisierte Aktion Streuobstwiesen, das heißt, wie jeder andere Interessent auch, hat der NABU Ober-Mörlen nur 20 Euro für den Jungbaum einschließlich Drahthose, Pfahl und Bindestrick bezahlt. Der überaus günstige Preis ist möglich, weil die Gemeinde Ober-Mörlen sich mit der Hälfte am Kaufpreis beteiligt, sie trägt also dankenswerterweise die "anderen" 20 Euro. Bei den Sorten ist darauf geachtet worden, dass sie mit dem Klima und der Bodenbeschaffenheit am Bottenberg klar kommen. Unter anderem wurden gesetzt: der gestreifte Matapfel, die äußerst seltene Frankfurter Pfirsichzwetsche und der Allendorfer Rosenapfel. In einem Jahr wird es wieder einen vergleichbaren Arbeitseinsatz am Bottenberg geben, dann werden weitere 11 Jungbäume gepflanzt.

Gutschein an Flüchtlingshilfe übergeben (02.11.2016)

Die Apfelsaison 2016 ist für den NABU Ober-Mörlen abgeschlossen. Es lief in diesem Jahr besonders gut, weil bei den vier Leseterminen das Wetter mitspielte und was noch wichtiger war: Bei drei Terminen hatten wir breite Unterstützung durch Flüchtlinge, die dafür sorgten, dass die Apfelernte nach spätestens zwei Stunden eingebracht war (siehe auch unseren Bericht unten vom 28.09.2016). Der Vorstand beschloss einstimmig, den Erlös der letzten gemeinsamen Lese der Flüchtlingshilfe zu spenden. Die Übergabe erfolgte auf Vorschlag der Betreuer in der Flüchtlingsunterkunft, damit sich die NABU-Mitglieder selbst ein Bild von den aktuellen Lebensbedingungen der Flüchtlinge machen konnten. Arnold Czmok von der Flüchtlingshilfe nahm die Spende entgegen. Hans-Josef Rauch, Mitglied des NABU-Teamvorstands betonte bei der Übergabe, dass der überreichte Geldbetrag zu großen Teilen eine Anerkennung für die geleistete Unterstützung bei der Apfelernte darstellt. Das Geld fließt in einen Topf für die Einrichtung und den Unterhalt von Internetanschlüssen in den vier Flüchtlingsunterkünften in Ober-Mörlen und Langenhain. Betreuer Dirk Bettermann ist zur Zeit dabei, hierfür bei verschiedenen Institutionen weitere Spenden zu akquirieren. 

Hans-Josef Rauch (re.) Mitglied des Teamvorstands im NABU Ober-Mörlen übergibt die Spende an Arnold Czmok (li.) von der Flüchtlingshilfe
Hans-Josef Rauch (re.) Mitglied des Teamvorstands im NABU Ober-Mörlen übergibt die Spende an Arnold Czmok (li.) von der Flüchtlingshilfe
Die afghanischen Köche Fahim (li.) und Sherzad bei der Zubereitung der Teigtaschen
Die afghanischen Köche Fahim (li.) und Sherzad bei der Zubereitung der Teigtaschen

Nach der formalen Spendenübergabe baten die Flüchtlinge an den großen Tisch, gereicht wurden leckere selbstgebackene Teigtaschen, die mit verschiedenen Gemüsen gefüllt waren. In Afghanistan, dem Heimatland fast aller Flüchtlinge in dieser Unterkunft, gehören sie zu den Nationalspeisen. Berührungsängste zwischen Flüchtlingen und ihren Gästen gab es nicht, man kannte sich ja aus den Einsätzen auf der Streuobstwiese. Trotzdem waren tiefgreifende Meinungsaustausche wegen fehlender Sprachkenntnisse kaum möglich. Dirk Bettermann kannte die Lebensläufe der jungen Männer und ihre Situation im Asylverfahren. Er schilderte eindrucksvoll ihre Ungewissheit über die nähere Zukunft. Die Betreuer unterstützen die Flüchtlinge bei Behördengängen, formulieren Anträge, erledigen Fahrdienste, sorgen dafür, dass die jungen Männer an Deutschkursen teilnehmen, halten Kontakt mit dem Sachbearbeiter bei der Gemeinde, knüpfen Kontakte zu Vereinen (z.B. spielen einige junge Männer Volleyball in Nieder-Mörlen), arrangieren Treffen mit den Einheimischen und vieles mehr. Und daraus ergab sich auch der Eindruck für uns nach Ende des Treffens. Die Flüchtlinge sind in Ober-Mörlen verhältnismäßig gut untergebracht und werden vorbildlich betreut. Was aber ist, wenn die Ehrenamtlichen ihre Engagements nicht mehr aufrecht erhalten können? Man kann nur hoffen, dass dieser Fall nicht eintritt.

Gemeinsame Obsternte mit Flüchtlingen (28.09.2016)

Ende September mit Beginn der Apfelernte steht der NABU Ober-Mörlen vor der Aufgabe, innerhalb von ca. 4 Wochen die Früchte von über 100 Bäumen auf den vereinseigenen Streuobstwiesen im Naturschutzgebiet Magertriften einzubringen. Überwiegend werden die Apfelbäume geschüttelt und das Obst zur Weiterverarbeitung an Keltereien geliefert. Allerdings können Vereinsangehörige auch für den Eigenbedarf Tafelobst pflücken oder Fallobst für den eigenen Apfelsaft oder Apfelwein sammeln. Die insgesamt anfallende Obstmenge lässt sich aber nicht mit dem „Stammpersonal“ der Ortsgruppe Ober-Mörlen bewältigen. Deshalb hatte der Vorstand die über 170 Mitglieder angeschrieben und um Unterstützung für den Apfellesetermin gebeten. Unter den Rückmeldungen unserer Mitglieder befand sich auch der Vorschlag, in Ober-Mörlen untergebrachte Flüchtlinge auf unseren Termin hinzuweisen, zumal die Tipp-Geberin beobachtet hatte, dass eine Gruppe junger Männer auf einer Streuobstwiese in der Nähe der Gemeinschaftsunterkunft versucht hatte, mit Ästen und anderem auf dem Boden liegenden Material Äpfel vom Baum zu holen. Unsere Einladung wurde zum Erfolg. Pünktlich erschienen zehn junge Flüchtlinge mit ihren drei ehrenamtlichen Betreuern – und sie legten sofort los. Da hatten die NABU-Aktiven Mühe, genug Äpfel von bestimmten Bäumen zu schütteln und mit ihren Pkw-Gespannen auf Position zu fahren, damit die vollen Körbe auf kurzem Weg in die Großkisten entleert werden konnten. Nach nur eineinhalb Stunden war die Arbeit getan, drei Kisten mit jeweils 300 kg Fassungsvermögen waren sortenrein gefüllt mit Jakob Lebel, Goldparmäne und dem Gestreiften Matapfel; lediglich die vierte Box enthielt das was gemeinhin unter Fallobst verstanden wird: wahllos aufgesammelte Äpfel verschiedener Sorten, die aber nicht angefault sein dürfen. Die jungen Flüchtlinge haben gerne mitgemacht, weil sie eine Apfelernte bislang nicht kannten, lediglich Sherzad aus Afghanistan beschrieb uns Apfelbäume und Traubenanbau in seiner Heimat – so gut das eben sprachlich ging. Die Teilnehmer hatten die Möglichkeit, nach Abschluss der Apfellese Obst für den Eigenbedarf zu pflücken. Aus der Sicht der Ober-Mörler NABU-Verantwortlichen war dieser Termin geeignet, den jungen Männern aus fremden Kulturen zu vermitteln, dass es bei uns außerhalb der beruflichen Tätigkeit Engagements in Vereinen mit bestimmten Themen gibt; hier waren es der Naturschutz und der Erhalt alter Apfelsorten. Die ehrenamtlichen Betreuer wollen den jungen Männern auch noch die auf die Apfellese folgenden Verarbeitungsschritte zeigen. Ulli Schwabe, Wirt der Roten Pumpe in Nieder-Mörlen, der auch Mitglied im NABU Ober-Mörlen ist und einen Großteil der Apfelernte abnimmt, will die Gruppe gerne begrüßen, das Keltern erklären und auch Kostproben anbieten.

Kampf den Neophyten (04.08.2016)

Der Riesen-Bärenklau und der Staudenknöterich stehen unter besonderer Beobachtung des NABU Ober-Mörlen. Ursprünglich waren diese Pflanzen im Kaukasus und in Ostasien beheimatet. Als Zierpflanzen kamen sie nach Europa und fanden beste Lebens- und Ausbreitungsbedinungen  vor, es handelt sich somit um Neuankömmlinge - Neophyten. Bei uns gibt es keine Fressfeinde und Parasiten, die einer Vermehrung dieser Gewächse im Wege stehen, und so werden sie schnell zur Plage und im Falle des Riesen-Bärenklaus auch zur Gefahr für den Menschen, weil der Pflanzensaft phototoxisch ist, d.h. auf der Haut verursacht er in Verbindung mit Sonnenlicht Verbrennungen, die nur schwer heilen. 

 

Wie sieht nun unser Kampf gegen diese Pflanzen aus? Im April, nach Einsetzen des Grünwuchses machen wir einen ersten Kontrollgang zu den Fundstellen des Vorjahrs. Es ist nicht leicht, die Pflanzen anhand ihrer jungen Blätter zu erkennen. Identifizierte Riesen-Bärenklau-Austriebe werden mit dem Spaten in mindestens 10 cm Erdtiefe abgestochen, dabei muss die Wurzel zerstört werden. So haben wir beispielsweise Ende April ca. 130 Exemplare in der Nähe der Main-Weser-Bahn beseitigt. Weil der Fahrtwind die Samen mitreißt, verbreitet sich Riesen-Bärenklau mit Vorliebe entlang der Strassen und Bahnstrecken. Neben den schon bekannten Wuchsstellen melden uns Bürger, aber auch das Umweltamt der Gemeinde Ober-Mörlen, weitere Vorkommen;  die NABU-Aktiven befinden sich ohnehin im "Dauersuchmodus", wenn sie die Gemarkung durchstreifen. Bis in den September hinein muss nachkontrolliert werden. Häufig hat der Riesen-Bärenklau dann schon Samenstände gebildet. Diese werden abgeschnitten, in Plastiksäcke verpackt und über den Bauhof der Gemeinde als Hausmüll entsorgt, der verbrannt wird. Insbesondere bei der Beseitigung von ausgewachsenem Riesen-Bärenklau muss langärmelige Arbeitskleidung mit Gummihandschuhen getragen werden.

 

Bei der Bekämpfung des Staudenknöterichs ist besondere Schutzkleidung nicht notwendig. Die Spezialität dieser Pflanze ist ihr Wurzelwerk, das sich durch Kriechsprossen (horizontale Rhizome) immer weiter ausdehnt. Das macht ihre Beseitigung fast unmöglich. Wir zerstören über Jahre hinweg mit dem Spaten immer wieder die jungen Austriebe, in der Hoffnung, dass das Wurzelwerk abstirbt.      

 

Unser Motto "Wehret den Anfängen" konnten wir bislang beim Riesen-Bärenklau erfolgreich praktizieren. Richtig Fuß fassen konnte dieser Neophyt auf Ober-Mörler Gemarkung nicht! Für den Staudenknöterich gilt das auch - mit einer gewichtigen Ausnahme: Im Ober-Mörler Wald liegt das Schiefertälchen, über das früher die Amerikaner von der B275 kommend ihr Munitionsdepot anfuhren. Auf dem Gelände hat sich geradezu ein Staudenknöterich-Hain mit bis zu 4 m hohen Exemplaren entwickelt, der mit den Ressourcen des NABU Ober-Mörlen nicht mehr zu beherrschen ist. In unserem Verein ist Matthias Möbs für das Thema Neophyten zuständig. Er nahm Kontakt mit Herrn Gerhardt vom Forstamt der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) auf, und dieser hat umgehend reagiert und den Schnitt der Stauden veranlasst. Solche Kahlschläge werden jeweils im August der kommenden Jahre zu wiederholen sein. Zu diesem Zeitpunkt befinden sich die Stauden in einem optimalen Zustand - sind also vom Wurzelwerk bestens versorgt worden und haben noch nicht geblüht. Wenn der Winter naht, ist das Wurzelwerk auf den Rücklauf der Pflanzensäfte eingestellt, der bleibt aber wegen des Kahlschlags aus! Auf Dauer überlebt das die Pflanze nicht. Vom Schiefertälchen aus hat der Staudenknöterich bereits das Usatal besiedelt, dort gibt es zwei kleinere Wuchsstellen, die wir bearbeitet und kartiert haben. Jahrelange Kontrollen und Eingriffe werden wohl notwendig sein. Matthias Möbs schätzt, dass in diesem Jahr mindestens 20 Arbeitsstunden vom NABU Ober-Mörlen zur Neophytenbekämpfung geleistet werden. 

Unser Vereinsausflug in den Westerwald (22.05.2016)

Reisebusse, die an jenem Sonntag die Autobahn in Herborn verließen, wollten garantiert zu dem dort stattfindenden Hessentag. Nur die Vereinsausflügler machten eine Ausnahme, sie fuhren nicht hinunter in das Dilltal, sondern hinauf in den Westerwald nach Erdbach. Ziel war die Schauhöhle Herbstlabyrinth mit der umgebenden Landschaft. Da die Busgesellschaft zu groß für eine gemeinsame Höhlenbegehung war, wurden zwei Gruppen gebildet. Die erste Gruppe startete mit dem Abstieg in die Tiefe, während die zweite Gruppe den Karstlehrpfad erwanderte - danach umgekehrt. Die einstündige Höhlenführung war nach Aussagen aller Teilnehmer das Eindrucksvollste. Ausschlaggebend war die hervorragende Präsentation: In sehr verständlicher Sprache erklärten die Höhlenführer die geologischen Zusammenhänge und geizten nicht mit humorvollen Einlagen. Die mit LED-Licht illuminierten Gesteinsformationen waren eine Augenweide, und was wir aus anderen erschlossenen Höhlen kennen: Tropfsteingebilde, die an etwas Irdisches erinnern, bekommen passende Namen, in der Herbstlabyrinthhöhle zum Beispiel Schneemann, Maccaroni oder Lasagne. Mit Laserpointern setzten die Höhlenführer diese Kuriositäten ins rechte Licht.

 

Die Wanderung auf dem Karstlehrpfad knüpfte thematisch an die Höhlenbesichtigung an. Wanderführer Dieter Kraus informierte, dass der Erdbach im hochgelegenen Breitscheid versiegt (Erdbachschwinde) und nach eineinhalb Kilometern im tiefer gelegenen Ortsteil Erdbach wieder ans Tageslicht tritt. Auf halber Wanderstrecke konnten die Steinkammern besichtigt werden. Diese Höhlen wurden in grauer Vorzeit wohl auch von Menschen genutzt, aber höchstwahrscheinlich nicht als dauerhafte Bleibe - wie Dieter Kraus betonte. Die Wanderung endete in einem bereits in den fünfziger Jahren stillgelegten Steinbruch, der nur durch einen Tunnel zu erreichen ist. Beeindruckend waren die Abgeschiedenheit und das Ausmaß, mit dem die Natur dort wieder zurückgekehrt ist.

 

Die beiden Gruppen trafen sich zum Mittagsimbiss im Dorfladen von Erdbach, der auch mit einem Bistro ausgestattet ist. Nachdem die wohlschmeckenden Suppen und Salate verzehrt waren, führte die Busfahrt durch den hohen Westerwald nach Weilburg. Die zwei Stunden in der Stadt waren zur freien Verfügung und wurden genutzt für den Gang über den Flohmarkt, zum Verweilen beim Ballermann-Konzert in einer Altstadtgasse oder zum Flanieren im Schlosspark.

 

Der Ausflug endete mit dem Abendessen im Landgasthof Zur Linde in Weilrod-Gemünden. Dort klappte alles bestens und die Qualität der Gerichte wurde gelobt. Resümee des Tages: In nur 62 km Entfernung von Ober-Mörlen gibt es mit der Herbstlabyrinthhöhle in Erdbach ein erlebenswertes Ausflugsziel. Aber auch der Hohe Westerwald und der Hintertaunus abseits der Bundesstraßen warten auf Entdeckung.   

Das Wichtigste aus der Mitgliederversammlung 2016

Die Kinder und Jugendbetreuer Kevin Knapp pressen Saft.
Die Kinder und Jugendbetreuer Kevin Knapp pressen Saft.

Dieser jährlich einmal anstehende Termin hat für Vereine eine starke formale Ausprägung, weil gemäß Satzung etliche Pflichtthemen zu behandeln sind, auf die hier aber nicht näher eingegangen wird, weil sie ordnungsgemäß abgehakt werden konnten. (Unseren Mitgliedern senden wir auf Anforderung gerne das Protokoll als pdf zu). Erstmals musste der sechsköpfige Teamvorstand Rede und Antwort stehen, die Vorstandsmitglieder und die Beisitzer trugen die Informationen aus ihrem jeweiligen Zuständigkeitsbereich vor. Die Vereinsarbeit bewegte sich auf dem beachtlichen Niveau der vergangenen Jahre. Wir boten Führungen an mit den Themen Fledermaus, Nachtfalter, Feldhamster, Vogelstimmen sowie als Veranstaltungsserie Flora und Fauna des Naturschutzgebiets Magertriften. Das zweijährliche Streuobstseminar mit Theorie im Schloss und Schnittpraxis auf der Streuobstwiese war mit 28 Teilnehmern wieder ausgebucht. Kernaufgaben einer NABU-Ortsgruppe sind der Artenschutz und die Biotoppflege. In der Gemarkung aufgestellte Vogelfutterhäuser sind repariert bzw. neu gebaut und während der Frostperiode im Winter mit Futter versorgt worden. Seit mehreren Jahren betreut der NABU den Lebensraum Kirchturm (siehe nachfolgenden Bericht "Falken brüten"). In mehreren Arbeitseinsätzen wurde der Riesenbärenklau und Staudenknöterich an den uns bekannten Stellen in der Ober-Mörler Gemarkung bekämpft. Die Feldholzinseln "Kehl", "Auf der Hub", "Am Hinkelstein" und "Lehmkaute" wurden von uns regelmäßig kontrolliert und wenn notwendig das Gehölz ausgedünnt, überhängende Äste entfernt oder Lesesteinhaufen und Amphibientümpel freigestellt. Streuobstwiesen bieten ein reiches Betätigungsfeld: Im Sommer 2015 wurden junge Obstbäume aufgrund der Trockenheit regelmäßig gewässert. Der Behang mit unreifen Früchten war so stark, dass durch teilweises Abschütteln das Brechen von Ästen verhindert werden musste. Die Apfelernte mit insgesamt ca. sechs Tonnen ist ganz überwiegend an die Kelterei Rote Pumpe in Nieder-Mörlen geliefert worden, die daraus hochwertige Säfte, Weine (gemischte und sortenreine) und Schnäpse hergestellt hat. Im Winterhalbjahr wurden Obstbäume geschnitten. Da hierfür aber zu wenige Aktive zur Verfügung standen, hat die NABU-Gruppe 40 Bäume auf Vereins- und Gemeindeflächen schneiden lassen und 3300 Euro für diese Arbeiten zur Verfügung gestellt. Die Kinder im Verein trafen sich alle zwei Wochen samstags unter der Leitung der drei Jugendbetreuer. Und die hatten wieder ein abwechslungsreiches Programm zu bieten: Sitzstangen für Greife in der Gemarkung aufbauen, Keltern auf der Obstbaumwiese (siehe Foto), Nistkästen säubern, Wanderung zum Bärlauch im Donnersgraben, Teilnahme an der Aktion Saubere Gemarkung und am Weihnachtsmarkt. Mit dem Geld, das die Kinder auf den letzten beiden Weihnachtsmärkten eingenommen haben, wollen sie in diesem Jahr den Aufenthalt in der Heinrich-Hörle-Hütte (in der Nähe der Marienkapelle) in Kransberg bezahlen.

 

Die auch von außen an uns mit Zweifeln herangetragene Frage, ob ein Verein von mehreren gleichgestellten Personen - also einem Team - geführt werden kann, wird von uns nach zehn Monaten mit einem Ja beantwortet, aber folgende Voraussetzungen müssen gegeben sein:
a) Es existiert ein Aufgabenverteilungsplan, der detailliert festlegt, wer im Vorstand für was zuständig ist. b) Wichtige Informationen müssen allen Vorstandsmitgliedern bekannt gemacht werden. c) Aktivitäten bzw. Stellungnahmen erfolgen nur abgestimmt. Noch vor 30 Jahren wäre ein Teamvorstand an der komplexen Kommunikation gescheitert. Einerseits haben die modernen Medien die Informationsmenge auch für Vereine vervielfacht, andererseits können durch ihre Nutzung jetzt erfolgreich neue Organisationsformen praktiziert werden.  

Eine perfekte Vogelstimmenwanderung (08.05.2016)

unternahmen 20 Teilnehmer in den Magertriften, geführt wurden sie von unserem Vogelexperten Klaus Nadler. In den vergangenen Jahren kam es des Öfteren vor, dass die NABU-Aktiven unter sich waren, weil es regnete oder das Gelände total aufgeweicht war. Diesmal: Sonnenschein, angenehme Temperatur und eine Vogelwelt, die sich hören und sehen lassen wollte. Ungefähr 30 Arten konnten anhand ihres Gesanges, ihrer Konturen oder ihres Flugbildes identifiziert werden, darunter: Goldammer, Stieglitz (Vogel des Jahres 2016), Fitis, Zilpzalp, Nachtigall und der Gartenrotschwanz. Kein Weg war Klaus Nadler und den Teilnehmern zu weit, um dem Neuntöter zu begegnen. Und tatsächlich, am nördlichen Rand der Magertriften, auf Ostheimer Gemarkung, zeigte er sich ganz oben im Baum auf einem unbelaubten Ast. Der Neuntöter gilt bei uns als Charaktervogel eines halboffenen, reich strukturierten Geländes. Wo er vorkommt, ist die Natur noch in Ordnung. Als sehr eindrucksvoll bezeichneten etliche Teilnehmer die Landschaft und die natürliche Vielfalt des Naturschutzgebiets. Der Blick vom nördlichen Rand des Alten Tals hinüber zum Winterstein hatte es insbesondere den auswärtigen "Erstbegehern" angetan.

Falken brüten (25.04.2016)

Endlich ein Teilerfolg! Nach fünf Jahren vergeblichen Wartens hat ein Turmfalkenpaar den bereitgestellten Nistkasten im Turm der Kirche St. Remigius in Ober-Mörlen bezogen. Die fünf Eier bebrütet nur das Weibchen, während das Männchen dieses mit Beutetieren versorgt. Durch die verschmutzte Scheibe gelang das Foto des schönen Falkenweibchens.

 

2011 hatte sich die katholische Kirchengemeinde wegen des Taubenproblems an den örtlichen NABU gewandt. Zur Lösung dieses nicht alltäglichen Problems schaltete der NABU Ober-Mörlen die Vogelschutzwarte Frankfurt ein. Vorgeschlagene bauliche Vorkehrungen waren an der Kirche bereits realisiert. Die Fenster sind mit Drahtgitter geschützt; Simse und Nischen haben eine  Stachelauflage. So blieb also nur eine Vertreibung der Tauben durch natürliche Feinde. Aber weder Habicht noch Wanderfalke oder Uhu lassen sich als Bewohner von bereitgestellten Nisthilfen in den Kirchturm locken. Aufgeschlossener sind da schon der Turmfalke und die Schleiereule. Zwar gehören Tauben nicht zur Beute dieser Greife, aber ihre Anwesenheit führt zu einer dauerhaften Beunruhigung; die Tauben suchen sich dann ein anderes Zuhause.

 

Im Februar 2011 bauten die NABU-Aktiven Nistkästen für Schleiereule und Turmfalke unterhalb des Geläuts ein. Nun begann das lange Warten, und das hieß für die NABU-Betreuer, dass von März bis Oktober alle 20 Tage ein Inspektionsgang in den Kirchturm fällig wurde. Der so gewählte zeitliche Abstand soll den Bruterfolg der ungebetenen Gäste verhindern. Und diese Gäste kamen; zunächst  Tauben und schon 2012 die Nilgans. Trotz der Kontrolle gelang der Gans eine erfolgreiche Brut im Schleiereulenkasten. Einen deutlichen Hinweis auf die Robustheit und Überlebenskunst der Nilgans gibt die Tatsache, dass die Küken (Nestflüchter) den Sturzflug aus ca. 20 Meter Höhe auf den Kirchplatz überlebt haben. Damit es keinen weiteren Bruterfolg für die Nilgans gibt, werden seit 2014 ihre Eier gegen Gipsexemplare ausgetauscht, außerdem ist die Einflugöffnung des Schleiereulenkastens von 30x30cm mittels einer Blende auf Postkartengröße verkleinert worden. Genutzt hat das alles bislang wenig. Z.Zt. sitzen die Gänse wieder auf den Gipseiern, geben aber Ruhe. Wenn sie jetzt aus dem Schleiereulenkasten vertrieben werden, versuchen sie, den Turmfalkenkasten zu belegen, was gerade wegen der Falkenbrut nicht passieren darf.

Falkengelege
Falkengelege

Wissen über die Pflege von Streuobstbäumen vermittelt (12.03.2016)

Wir konnten uns auch in diesem Jahr über reges Interesse am Streuobstwiesen-Seminar freuen. Etwa 30 Teilnehmer kamen nicht nur aus Ober-Mörlen und den Nachbargemeinden, sondern sogar aus Frankfurt und dem Westerwald. Offenbar wurde die Terminankündigung von vielen im Internet gelesen. Nach der Begrüßung durch Hans-Josef Rauch vermittelte Agrar-Ingenieur Michael Lehmann am Vormittag anhand von Bildern und Muster-Ästen die nötigen Grundlagen, die man kennen sollte, wenn hochstämmige Obstbäume zu pflanzen und zu schneiden sind. Dabei ging er auf zahlreiche Fragen ein. Ferner erläuterte Klaus Spieler, wie zu starkem Mistelbefall entgegengewirkt wird, der insbesondere alte Bäume schwächt.

Nach der Mittagspause, in der sich die Kursteilnehmer mit Broschüren eindecken und Streuobstapfelsaft kosten konnten, ging es mit dem Praxisteil auf der größten vom Verein betreuten Streuobstfläche im NSG Magertriften weiter. In vier Gruppen, die von Michael Lehmann, Robert Scheibel, Klaus Spieler und Mirko Franz angeleitet wurden, griffen die Besucher selbst zu Schere und Säge. Jeder Gruppe standen ein Jungbaum, ein etwa 25-jähriger Baum und ein Altbaum zur Verfügung, sodass die verschiedenen Schnittphasen Erziehung, Erhaltung und Verjüngung geübt werden konnten.

Ein typischer Arbeitseinsatz (30.01.2016)

Das NABU-Motto "Global denken - lokal handeln" hat sich die Ober-Mörler Gruppe (damals noch Naturschutzgruppe) schon vor vielen Jahren zu eigen gemacht und Feldgehölze angelegt, um die Lebensbedingungen für Vögel und Wild zu verbessern. Das erste auf diese Weise aufgewertete Areal "Auf der Hub" liegt nördlich hinter dem Orteil Maiberg und war vormals eine eiszeitliche Erosionsrinne, die eine wunderbare Streuobstwiese beherbergte. Dann entschied die Flurbereinigungsbehörde in den 1960er Jahren, diesen Geländeabschnitt zu verfüllen. Hunderte ausgerissener Obstbäume wurden in die Vertiefung geschoben, Bauschutt und Müll folgten, bis alles eben war. Anfang der 1980er Jahre fand unser Plan, dort ein Schutzgehölz anzulegen, bei der Gemeinde ein offenes Ohr. Die mühsame Rekultivierung durch die Naturschutzgruppe endete 1986 mit dem Bau eines Amphibienteichs.

 

Über die drei Jahrzehnte hinweg hat sich das Feldgehölz "Auf der Hub" zu einem wertvollen Biotop entwickelt, das allerdings auch gepflegt werden muss. Ein solcher Einsatz fand Ende Januar statt. Mit Motorsäge und Freischneider wurde der Bewuchs um den Tümpel so weit reduziert, dass die Vögel das Kleinbiotop aus der Luft erkennen und dort auch niedergehen und auffliegen können. Für das Wild ist eine Ruhezone freigeschnitten worden, Dornenhecken und Gehölze wurden zwecks Verjüngung auf Stock gesetzt, aber auch einige große Bäume mussten gefällt werden. Nach Abschluss der Arbeiten fotografierte Hans-Josef Rauch die Aktiven (v.l.n.r Klaus Spieler, Frank Jung, Reinhold Witzel und Matthias Möbs).