Nicht mehr aktuell, aber noch interessant

Vereinswanderung zwischen den Jahren (28.12.2012)

Eine Wanderschar von knapp 20 Teilnehmern hatte sich an der Usatalhalle in Ober-Mörlen eingefunden, um gemeinsam nach Usingen-Wilhelmsdorf zu fahren, dem Startpunkt eines Rundkurses mit Rast am Hattsteinweiher. Das Winterprogramm der Naturschutzgruppe, seien es Arbeitseinsätze oder hier die traditionelle Wanderung zwischen den Jahren, ist den Unwägbarkeiten des Wetters ausgesetzt. Aber wir hatten Glück, der Dauerregen der vorangegangenen Tage fand keine Fortsetzung, es blieb trocken, und das ist entscheidend für den Erlebniswert eines solches Tages. Matthias Möbs und Robert Scheibel hatten die Strecke ausgesucht und sich mit den Sehenswürdigkeiten und der Entwicklung der Region vertraut gemacht und konnten so schon am Startpunkt über die Wiederbelebung der Bahnstrecke Friedrichsdorf-Usingen-Brandoberndorf informieren. Weiter ging es durch Wilhelmsdorf am alten Rathaus mit Backhaus vorbei und sodann über die Feldflur in den Wald. Dort hielten wir uns zunächst westlich, schwenkten dann nach Norden, überquerten Landstraße und Bahnstrecke und kamen in der Nähe von Hundstadt auf eine verrottete Bahntrasse aus den 1930er Jahren, die zur damaligen Heeres-Munitionsanstalt führte (heute Bundespolizei-Lager). Nächster markanter Geländepunkt war der Hirschsteinslai, ein Fels mit Gipfelkreuz, dem eine geologische Verwandtschaft mit den Eschbacher Klippen nachgesagt wird. Der weitere Weg führte am Depot der Bundespolizei entlang, ging in eine abschüssige Gerade über, an deren Ende wir das Restaurant am Hattsteinweiher erreichten. Obwohl angemeldet, mussten wir weit über eine Stunde auf das Essen warten. Trotzdem kam kein Verdruss auf, weil die Getränke unverzüglich serviert und angeregte Unterhaltungen geführt wurden. Die letzte Etappe startete mit der Aufstellung zur Gruppenaufnahme auf dem Seesteg, gefolgt von der Verkostung eines Apfelbrands aus Ober-Mörler Streuobst. Danach ging es sachte bergauf zum Ausgangspunkt nach Wilhelmsdorf zurück. Bevor die Teilnehmer den Nachhauseweg antraten, gab es nochmal großes Lob für die Organisation. Die Länge der Strecke und die Höhenmeter hat ein mitgeführtes Navi genau erfasst, daraus lässt sich errechnen, dass ein Teilnehmer ca. 1200 kcal für die Wanderung verbraucht hat. Dagegen steht das deftige Mittagessen mit Getränk. Was aber ohne Abstriche auf der positiven Seite verbucht werden kann, ist die Pflege der sozialen Kontakte, das gesellige Beisammensein und die guten Gespräche. Deshalb wird die Naturschutzgruppe auch 2013 zwischen den Jahren wandern.

 

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Wer die Wanderroute genau nachvollziehen will, lädt die Datei auf seinen Rechner und startet mit Doppelklick auf diese Datei Google-Earth (falls installiert).
Nsg_20121228_hattsteinweiher.kml
Google Earth Placemark 41.4 KB
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Nutzer von Gelände-Navis oder Smartphones (mit dem entsprechenden App) können die Strecke mit Hilfe der gpx-Datei nachwandern.
NSG_20121228_Hattsteinweiher.gpx
GPS eXchange Datei 181.1 KB

 

 

25 JAHRE AKTION STREUOBSTWIESEN (21.10.2012)

Es war eine gelungene Veranstaltung dank des guten Programms, der geeigneten Lokation und des schönen Wetters. Eine eigene Schilderung des Verlaufs sparen wir uns, weil die Wetterauer Zeitung der Wiedergabe ihres Berichts als Download zugestimmt hat. 

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Bericht der Wetterauer Zeitung
WZ_20121023_NSGOMN.pdf
Adobe Acrobat Dokument 422.5 KB

Stattdessen wollen wir einen kurzen Blick auf die beachtlichen Aufwände werfen, die für Vorbereitung und Durchführung notwendig waren: Schon im Januar hatte der Vorstand ein Grobkonzept diskutiert und sich für die Umsetzung entschieden. Ganz frühzeitig wurde der Veranstaltungstermin mit der Gemeindeverwaltung wegen der Nutzung des Raums Eichkopf festgelegt. Dann konnten mit den Referenten die Themen abgestimmt werden. Die Schautafeln mit den Daten zur Aktion Streuobstwiesen waren zu visualisieren, die Beschaffung und Aufbereitung der Luftbildaufnahmen von 1945, die zur Gegenüberstellung der Streuobstbestände 1945 zu heute dienten, war überaus komplex. Über fünfzig individuelle Einladungen wurden versendet und über die Presse und Ober-Mörler Nachrichten sind alle Bürger eingeladen worden. Für die Sortenausstellung wurden die Äpfel, Birnen und Speierlinge von unterschiedlichen Grundstücken gesammelt und geordnet vorgehalten. Die Äpfel für den angebotenen Süßen haben Vereinsmitglieder zwei Tage vor Termin gelesen und eingesackt. Auf- und Abbau sowie Betreuung und Bewirtung der Besucher vollzogen sich nach einem detaillierten Einsatzplan. Der Vorstand dankt allen Vereinsmitgliedern, die aktiv zum Gelingen dieser Veranstaltung beigetragen haben.

 

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Fledermäuse und Nachtfalter beobachten (26.08.2012)

Die Naturschutzgruppe hatte zu dem abendlichen Rundgang im Naturschutzgebiet Magertriften eingeladen, und obwohl es eine halbe Stunde vor Abmarsch noch einen Platzregen gab, waren 25 Interessenten, darunter viele Kinder, der Einladung gefolgt. Robert Scheibel, Vereinsvorsitzender und Fledermauskenner, führte die Wanderer zunächst über die alte Weinstraße zu erfahrungsgemäß guten Beobachtungsplätzen. Fledermäuse fliegen zur Orientierung bevorzugt an Wegrandhecken und Obstbaumreihen entlang, wo sie auch gute Möglichkeiten zum Erbeuten von Insekten haben. Gegen 20:30 Uhr war der ideale Zeitpunkt für die Begegnung mit den nachtaktiven Tieren gekommen. Der noch leicht erhellte Abendhimmel bot den Hintergrund, vor dem die fliegenden Tiere gut zu sehen waren.

Insbesondere die Kinder zeigten starkes Interesse an der Funktion des Detektors, den R. Scheibel zum Aufspüren der Fledermäuse einsetzte. Da er wusste, dass die Zwergfledermaus die häufigste in den Magertriften vorkommende Art ist, hatte er das Gerät auf eine Empfangsfrequenz von 45 Kilohertz eingestellt. Diesen für den Menschen nicht mehr hörbaren Frequenzbereich benutzt die Zwergfledermaus zur Orientierung und zum Anpeilen ihrer Beute. Der Detektor gibt diese Ultraschalllaute für den Mensch hörbar wieder. Immer wenn der Lautsprecher die typischen Schnalz- und Knatterlaute ausgab, ging der Blick der Wanderer zum Himmel und dann war für einige Sekunden die umherfliegende Zwergfledermaus zu beobachten. R. Scheibel versuchte auf einer wesentlich niedrigeren Frequenz auch den Abendsegler zu orten, blieb an diesem Abend aber ohne Erfolg. Faszinierend war es, die zahlreichen jagenden Fledermäuse über dem Fauerbachteich zu sehen. In den Lichtkegeln der Taschenlampen tauchten sie immer wieder auf; sie ließen sich durch die Gruppe nicht stören. Leider war auch dieses mal die Wasserfledermaus nicht unter den gesichteten Exemplaren, vor einigen Jahren war sie an diesem Gewässer noch anzutreffen.

Ganz in der Nähe hatte der Biologe Dr. Ralf Klinger aus Usingen mit Unterstützung des Schutzgebietsbetreuers Maximilian Burk ein Lichtzelt aufgebaut, auf dem sich die angelockten Nachtfalter niederließen. Diese Erfassung läuft schon im dritten Jahr, das Lichtzelt wird jeweils für eine Nacht an insgesamt vier verschiedenen Standorten in den Magertriften aufgebaut. Bislang wurden etwa 250 Falterarten nachgewiesen, darunter einige gefährdete Arten. Die gerade ins Netz gegangenen nachtaktiven Insekten fotografierte Dr. Klinger sofort und zeigte sie den Teilnehmern auf dem Kameramonitor. Unter den dreißig an diesem Abend beobachteten Arten waren zum Beispiel Zimtbär, Messingeule und Gelbspanner. Nach zwei interessanten Stunden endete die Exkursion für die Kinder, sie machten sich auf den Nachhauseweg. Die Erwachsenen hatten noch die Gelegenheit, weiter die Nachtfalterkartierung zu begleiten.

 

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Mit dem Bus unterwegs (12.05.2012)

Gut gelaunt in der Grube Messel
Gut gelaunt in der Grube Messel

 

Der Vereinsausflug gehört zum deutschen Vereinswesen, wie die Butter zum Brot. Damit aus einem solchen Ereignis auch ein Erfolg wird, beherzigen wir folgende Regeln: Mindestens ein Ziel ansteuern, das nichts mit dem Thema Natur zu tun hat. Mindestens ein Ziel ansteuern, das genau dieses Thema behandelt – aber in allgemeinverständlicher Form. Und die wohl wichtigste Regel, über deren Einhaltung aber außerhalb des Vereins entschieden wird: Gutes Wetter sorgt für Zufriedenheit und Erlebniswert.

 

Am Morgen brachte der Bus die Ausflügler zunächst zur Mathildenhöhe in Darmstadt. Das ist das Zentrum des Jugendstils in Deutschland; bekanntestes Bauwerk ist der Hochzeitsturm, der aber wegen Renovierungsarbeiten nur teilweise zugänglich war. Eine Stunde lang wurden die Ausflügler in zwei Gruppen von fachlich sehr versierten Frauen über das Gelände und durch verschiedene Häuser geführt. Wer den Sprudelhof und die Badehäuser samt Einrichtung in Bad Nauheim kennt, dem kam vieles sehr vertraut vor. Die Erfahrung, dass eine gute Führung tiefere Einblicke und Kenntnisse vermittelt als mehrere Spaziergänge über die Mathildenhöhe, teilten viele der Ausflügler. 

 

Von Darmstadt aus war es nur ein Katzensprung zu der sieben Kilometer entfernten Grube Messel. Das Weltnaturerbe durchwanderten wir unter Leitung eines Biologen. Entlang der Straße, die hinab zur Grubensohle und auf dieser entlang führt, machte er an Infoständen halt und erklärte die erdgeschichtlichen Zusammenhänge. Aus eigens dafür aufgestellten Containern wurden Exponate entnommen und uns vorgestellt. Kleinere Fossilien in Ölschiefer sind von Hand zu Hand durch die Gruppe gereicht worden. Heiterkeit erregte die Präsentation eines Urpferdchens aus Plastik in Lebensgröße, über das allerhand lustige Bemerkungen gemacht wurden. Leider bestand keine Möglichkeit, Ausgrabungsarbeiten beobachten zu können. Einige Teilnehmer lösten sich aus der Gruppe und gingen eigenständig zu einer Grabungsstelle. Hoffentlich wurde das von offizieller Seite bemerkt, denn die Führungen lassen sich noch entsprechend erweitern. Die thematische Fixierung auf die Zeit vor 47 Millionen Jahren hat auch verhindert, dass Flora und Fauna der Gegenwart ausreichend erläutert wurden. Lautes Froschgequake und die Beobachtung eines Neuntöters zeigten jedenfalls, dass die heutige Grube ein interessanter Lebensraum ist. Nach der zweistündigen Führung konnte noch die Ausstellung im Empfangsgebäude besucht werden.

 

Nächste Station war Seligenstadt, dort war kein gemeinsamer Programmpunkt vorgesehen. Die Ausflügler verteilten sich auf den sehenswerten Klostergarten und die Altstadt; Cafes und Eissalons wurden rege frequentiert. Die vorletzte Etappe führte nach Altenstadt-Enzheim zum Abendessen mit der Gelegenheit zu guten Unterhaltungen. Ein Thema war dann sicher auch die Bewertung des abgelaufenen Tags, und die war durchweg positiv. Das Wetter hatte gehalten, es war trocken geblieben, das von Hans-Josef Rauch zusammengestellte Programm war abwechslungsreich und überforderte weder körperlich noch thematisch. Somit hat der Vorstand die Aufgabe, auch künftig einen Vereinsausflug anzubieten.

 

Die Ausflügler haben die Möglichkeit, alle Fotos hier zu sehen.  

 

 

Erfolgreiches Obstwiesen-Seminar (03.03.2012)

Seit über zwanzig Jahren bietet die Naturschutzgruppe Ober-Mörlen den ganztägigen Schnittkurs mit Theorie und Praxis an und heuer konnte der Vereinsvorsitzende Robert Scheibel fast 40 Teilnehmer begrüßen, was für die jüngere Zeit eine Rekordbeteiligung darstellt. Auffallend war auch das niedrige Durchschnittsalter der Anwesenden. Das Obst von eigenen Bäumen und deren Pflege scheint wieder an Wertschätzung zu gewinnen. Es wird nicht mehr als Widerspruch, sondern als sinnvolle Kombination empfunden, die Woche über Geschäftsmann in der Großstadt zu sein und sich am Wochenende um die ererbten oder gepachteten Streuobstwiesen zu kümmern.

 

Das Ambiente des Raums Gaulskopf im Schlosshof, in dem der Theorieteil stattfand, hat nichts mit einem Klassenzimmer gemein. So entwickelte sich eine Workshop-Atmosphäre mit einem regen Fachdialog zwischen Referenten und Teilnehmern. Zu Beginn vermittelte Michael Lehmann anhand von Fotos und Grafiken den Nutzen und die Schönheit von Streuobstwiesen, sowie die Wuchs- und Schnittgesetze, die für die Pflege der Bäume wichtig sind. Alle Phasen im Leben eines Obstbaums wurden besprochen, ebenso die Unterschiede zwischen den Obstarten und die Bedeutung des Schnittzeitpunkts. Ulli Schwabe, Wirt der Roten Pumpe in Nieder-Mörlen und Lohnkelterer, erläuterte dann die vielfältigen Verarbeitungs- und Konservierungsmöglichkeiten für das Obst in flüssiger Form. Dazu hatte er leckere Kostproben wie Apfelmost aus dem Druckfass und verschiedene Apfelweine mitgebracht. Sein Fazit: Genuss, Naturschutz und Kultur werden durch die Nutzung und Erhaltung der Streuobstwiesen auf ideale Weise verknüpft.

 

Nach der Mittagspause war Praxis angesagt. In drei Gruppen unter Leitung von Michael Lehmann, Klaus Nadler und Robert Scheibel konnten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen auf den Streuobstwiesen im Naturschutzgebiet Magertriften selbst zu Schere und Säge greifen und den Erziehungsschnitt an jungen Bäumen, den Erhaltungsschnitt an mittelalten Exemplaren und das Verjüngen von alten Bäumen in die Tat umsetzen. Die positive Resonanz am Kursende, zu dem traditionell heißer Apfelwein ausgeschenkt wurde, machte wieder deutlich, dass sich diese Kombination aus Theorie und praktischen Übungen gut bewährt hat. Denn nur vom Zuschauen oder aus Büchern kann man das Bäumeschneiden nun mal nicht erlernen.

 

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Ein normannischer Cidre-Apfel auf Ober-Mörlens Obstwiesen (08.02.2012)

Pomologe Steffen Kahl aus Aßlar (vorn) und Klaus Nadler von der Naturschutzgruppe Ober-Mörlen bei der Sortenbestimmung im NSG Magertriften.
Pomologe Steffen Kahl aus Aßlar (vorn) und Klaus Nadler von der Naturschutzgruppe Ober-Mörlen bei der Sortenbestimmung im NSG Magertriften.

Goldparmäne, Boskoop und Bohnapfel gehören zu den häufigsten Apfelsorten im Naturschutzgebiet Magertriften. Das ist wenig überraschend. Interessanter sind da schon regionale oder seltene Sorten wie Gestreifter Matapfel, Ruhm aus Kelsterbach und Coulons Renette, die ebenfalls gefunden wurden. Dies geht aus der kürzlich fertiggestellten Auswertung der Sortenkartierung im vergangenen Herbst hervor.

 

Die Untersuchung lief im Rahmen des Projektes „Obstgarten Hessen“, welches von der Naturschutz-Akademie Hessen (Wetzlar) für das Land Hessen durchgeführt wird. Ziel ist die Erfassung und Pflege von alten, regionaltypischen Obstsorten. Ausgewählte Bäume, die sich zum Schneiden von Reisern eignen, sollen in einer Datenbank erfasst und seltene Sorten durch Nachzucht wieder stärker verbreitet werden.

 

Robert Scheibel, Vorsitzender der Naturschutzgruppe Ober-Mörlen, reichte einen Kartierungsvorschlag ein und konnte so den Sortenkenner Steffen Kahl aus Aßlar für zwei Tage nach Ober-Mörlen holen. Für die Sortenbestimmung wurde ein ca. 30 ha großer Teil des NSG Magertriften ausgewählt. Für dieses Streuobstgebiet sprachen unter anderem bereits vorhandene Erkenntnisse und der vergleichsweise etwas bessere Pflegezustand. Pomologe Steffen Kahl begutachtete dort mit Unterstützung der Naturschützer über 460 hochstämmige Obstbäume. In die Auswertung flossen weitere 120 Bäume ein, für die der Verein bereits seit Jahren ein Sortenkataster führt.

 

In der Summe konnten 77 verschiedene Apfelsorten bestimmt werden. Neben den anfangs genannten Sorten sind auch Kaiser Wilhelm, Roter Trierer Weinapfel, Goldrenette aus Blenheim, Jakob Lebel und Croncels häufig anzutreffen. Desweiteren gibt es überregionale, aber relativ seltene Sorten – wie zum Beispiel Gelber Bellefleur, Cox Pomona und Dülmener Herbstrosenapfel, die mit nur jeweils einem Exemplar in der Auswertung erscheinen. Zu den identifizierten typisch hessischen Sorten gehören Heuchelheimer Schneeapfel, Anhalter und Winterprinzenapfel (letzterer im heimischen Raum als Friedberger Bohnapfel bekannt). Eher kurios ist das wiederholte Auftauchen der Apfelsorte Roter Fresquin – ein bittersüßer Cidre-Apfel aus der Normandie.

 

Etwa 60 Apfelbäume konnten nicht oder nur mit Fragezeichen bestimmt werden, was angesichts von schätzungsweise 2000 alten Apfelsorten in Deutschland nicht verwundert. Darunter sind Sorten, die zwar immer wieder auftauchen, aber nicht benannt werden können. Rätsel gibt in Ober-Mörlen und Umgebung eine mündlich als „Holländische Parmäne“ überlieferte Sorte auf, deren Früchte wie große Goldparmänen aussehen. Hier sind die Pomologen noch am forschen, es bleibt also spannend. Bei den ebenfalls kartierten Birnbäumen wird die Häufigkeitsliste von der Pastorenbirne angeführt, im Volksmund Glockenbirne genannt. Zu den Seltenheiten gehören dagegen Prinzessin Marianne und Kieffers Sämling. Gerade bei den Birnen blieben viele Sorten unbekannt; insbesondere über die Koch- und Mostbirnen ist das meiste Wissen verloren gegangen.

 

Die getrennte Erfassung der seit etwa 1985 vorgenommenen Nachpflanzungen gibt einen Ausblick, wie sich das Sortenspektrum in den nächsten Jahrzehnten verschieben und dabei leider stark verkleinern wird. Denn die Baumschulen können zwangsläufig nur ein begrenztes Sortenangebot bereit halten. So wurden im Kartierungsgebiet 20 junge Goldparmänen aber kein einziger nachgepflanzter Gestreifter Matapfel registriert, obgleich dies ein hervorragender, robuster Kelterapfel ist. Wichtige Bausteine zur Erhaltung der Sortenvielfalt sind daher das eigenhändige Veredeln bzw. die Auftragsveredlung der Wunschsorte durch eine Baumschule.

 

Die Erkenntnisse der Sortenkartierung eröffnen vor Ort viele Möglichkeiten, wie zum Beispiel Auskünfte an interessierte Baumbesitzer, lokale Sortenempfehlungen und die Berücksichtigung von seltenen Sorten bei Pflegemaßnahmen bzw. deren Erhalt durch die Nachzucht junger Bäume. Die Naturschutzgruppe möchte die Kartierung in der kommenden Saison fortführen, um den Ober-Mörler Teil des Naturschutzgebietes komplett zu machen.

 

Im Herbst wird die Naturschutzgruppe Ober-Mörlen anlässlich 25 Jahre „Aktion Streuobstwiese“ zu einer Sortenwanderung im Kartierungsgebiet einladen und bei einer Veranstaltung mit Schautafeln und Vorträgen über die Erhaltung der Streuobstwiesen und den Sortenbestand informieren.

 

Ehrenamtspreis für Maximilian Burk (13.01.2012)

Häufig in den Magertriften unterwegs
Häufig in den Magertriften unterwegs

Anlässlich des Neujahrsempfangs des Bürgermeisters von Ober-Mörlen wurde Vereinsmitglied Maximilian Burk mit dem Ehrenamtspreis der Gemeinde ausgezeichnet. Damit wird sein jahrzehntelanger Einsatz für den Naturschutz gewürdigt. Er ist Gründungsmitglied der Naturschutzgruppe Ober-Mörlen (NABU) und war auch lange Zeit ihr Vorsitzender. Darüber hinaus ist er Ortsbeauftragter für den Vogelschutz,  gehört dem Arbeitskreis Landschaft, Naturschutz und Landnutzung in der Lokalen Agenda 21 an und ist Schutzgebietsbetreuer für die Magertriften von Ober-Mörlen/Butzbach, deren Ausweisung als Naturschutzgebiet ganz erheblich auf seine Initiativen und Vorarbeiten zurückzuführen ist. Wer Maximilian Burk und sein Fachwissen kennenlernen will, ist herzlich eingeladen, an seinen Wanderungen durch die Magertriften teilzunehmen (monatlich im Sommerhalbjahr), die hier im Internet und in der lokalen Presse angekündigt werden.