Bettelnde Jungvögel

Den NABU Ober-Mörlen erreichen im Frühjahr Anfragen von besorgten Tierfreund*innen, die scheinbar verlassene Jungvögel entdecken. Unser Rat lautet eigentlich immer: Erst beobachten, dann eingreifen. Die unerfahrenen und im Fliegen noch ungeübten Vogeljungen wirken auf den ersten Blick oft hilflos. Sie aufzunehmen ist jedoch meist falsch verstandene Tierliebe. Lassen Sie die halbflüggen, befiederten Jungvögel erstmal sitzen. Sollte nach 20 Minuten kein Elternvogel auftauchen, liegt es vielleicht daran, dass wir zu dicht dran sind und sie sich nicht zu ihren Jungen trauen. Also lieber noch etwas Abstand nehmen und weiter abwarten. Tatsächliche Hilfe benötigen befiederte Jungvögel nur, wenn nach mehreren Stunden immer noch keine Altvögel in seiner Nähe zu sehen sind.

  

Wer helfend eingreifen will oder muss, sollte sich immer bewusst sein, dass Jungvögel Wildtiere sind, denen nur in einem Notfall geholfen werden darf.  Jungvögel, die mit nach Hause genommen werden, haben selbst bei fachgerechter Pflege deutlich schlechtere Überlebenschancen haben als in der Natur. Eine hilfreiche Faustregel zu Jungvögeln: Nestlinge, also Jungvögel ohne Federkleid, oder nur mit leichtem Flaum, die noch nicht aktiv auf ihren Füßen stehen können sind außerhalb des Nestes hilflos. Sie sollten schnellstmöglich zurück ins Nest und nur, wenn das nicht möglich ist, in eine Pflegestation. In diesem Fall sollten die Tiere  in einem Karton mit Luftlöchern untergebracht werden; dabei sollte man ihnen mit einem Handtuch ein kleines Ersatznest formen. Nur in einer Pflegestation kann die tiergerechte Aufzucht gewährleistet und die Gefahr der Fehlprägung auf den Menschen minimiert werden. Auffang- und Pflegestation in Ihrer Region können bei den Naturschutzbehörden der Landkreise und kreisfreien Städte oder auch bei Tierärzt*innen oder Tierschutzvereinen erfragt werden. Bitte beachten Sie, dass es sich bei den Betreiber*innen der Auffang- und Pflegestationen in der Regel um ehrenamtliche Arten- bzw. Tierschützer handelt, die sich in Ihrer Freizeit um verletzte Tiere kümmern und über begrenzte räumliche Kapazitäten verfügen. Ein Anspruch auf Aufnahme der Tiere besteht daher nicht.

 

 

 

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